Workshop: Mehr als 60 Musiker aus 12 Vereinen gaben ein Konzert in             der Heilig-Kreuz-Kirche

       













Blasmusik auf neuen Wegen

AUERBACH. Mehr als sechzig MusikerInnen aus zwölf Vereine – und nur einen Tag Probezeit? Dabei herausgekommen ist ein beeindruckendes Musikprojekt, das Pfarrer Eduard Schließmann von der Heilig-Kreuz-Gemeinde als „anspruchsvollund eine Bereicherung“ beschrieb. „Die Blasmusik hat ihr Image von der Volksmusik bei Dorffesten abgestreift“, sagte Schließmann am Ende des Konzerts und fügte, an das Spontan-Orchester gerichtet, hinzu: „Sie dürfen wiederkommen.“ Blasmusiker und –musikerinnen aus dem ganzen Bistum Mainz von Auerbach, Bürstadt, Fehlheim und Darmstadt bis nach Reinheim, Büdesheim und Worms-Herrnsheim, trafen sich am Samstag zu einem eintägigen Workshop im Gemeinde haus der Heilig-Kreuz-Kirche. Am Abend spielten die Instrumentalisten dem Publikum vor, was der Tag ihnen gebracht hat. Und das, was die Konzertbesucher zu hören bekamen, war beachtlich. Dirigent Wolfgang Rothenheber aus Worms-Herrnsheim hatte Großes geleistet.

Er hatte innerhalb nur weniger Stunden aus einer zusammengewürfelten Musikerschar ein homogenes Orchester gemacht. Es war bereits der zweite Bläserworkshop, den Kornelia Ochs vom Katholischen Kirchenmusikverein Auerbach und Bernhard Frey (Reinheim) organisiert haben. Pfarrer Schmidt, neu gewählter Präses des Diözesanverbandes, ließ es sich nicht nehmen, nach Auerbach zu kommen, um zu hören und zu sehen, wie Musik die Menschen miteinander verbinden kann. Es war keine typische Blas- und Dicke-Backen-Musik, und auch kein Konzert mit überwiegend religiösen Liedern: Modern, flott, einfühlsam und immer sehr harmonisch präsentierten sich die Bläser, darunter erstaunlich viele junge Menschen. Einen Auftakt nach Maß legte die gut eingespielte Truppe mit dem Musical „Jesus Christ Superstar“ hin, das Musicalpapst Andrew Lloyd Webber 1971 geschrieben hat und das anschließend ein Welterfolg wurde. In den weiteren sechzig Minuten spannte das Zufallsorchester einen hohen musikalischen Bogen von der Klassik bis zur Moderne, von Händel bis zu Abba, vom Medley mit russischen Liebesliedern bis zu moderner Kirchenmusik.

Von Klassik bis Moderne.

In dem anspruchsvollen Stück „Twins“ von Jan Hadermann arbeiteten die Bläser die unterschiedlichen Stilrichtungen, von introvertiert bis stürmisch, bravourös heraus. Und bei der Komposition eines amerikanischen Musikers aus dem 19. Jahrhundert, „Neare my God to

Thee“, ging es um einen harmonischen Gesamteindruck. „Eine Herausforderung“, wie Moderator Gerd Müller vom Katholischen Kirchenmusikverein Auerbach den Zuhörern dazu erklärte. Glasnost, das Schlagwort, das einst die Ära Gorbatschow geprägt hat, war der Titel eines ganz besonderen, zeitgenössischen Stücks. Es begann mit der russischen Nationalhymne und glitt sanft über in die klassische Musik. Sonderapplaus gab es für Michelle Ochs an der

Querflöte. Im einfühlsamen Wechselspiel und Miteinander mit dem Orchester, spielte die junge Solistin das Junior Concerto für Flöte und Band. Nach sechzig Minuten verabschiedete sich das Orchester, das in dieser Besetzung wohl niemals mehr zusammen kommen wird, mit dem Abba-Ohrwurm „Thank you for the music“. Danke sagten anschließend auch die Konzertbesucher und applaudierten heftig. Zwei Zugaben hatten die Bläserinnen und Bläser noch für ihr Publikum einstudiert. Bedenkt man, dass das komplette Programm erst am gleichen Tag erarbeitet und geprobt wurde, so ist die Leistung noch einmal so hoch zu bewerten. Eintritt hatten die Organisatoren nicht erhoben. Aber vor dem Verlassen der Heilig-Kreuz-Kirche baten sie um Spenden für die Jugendarbeit. Gerd Müller wies abschließend noch auf das Jahreskonzert des Katholischen Kirchenmusikvereins am 26. September um 19 Uhr im Bürgerhaus Kronepark in Auerbach hin. Thema wird sein „Aspekte der Liebe“.

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